Blog von Marc Hinse, Webdesigner und Webentwickler aus Karlsruhe.

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Interview mit den Zootool-Machern Basti und Habu

Zootool ist eine webbasierte Lösung zur Speicherung von Links, Bildern, Dokumenten und Videos. Nicht erst seit dem angekündigten Aus von Delicious erfreuen sich Basti und Habu über einen regen Zulauf an Usern. Ich habe mit den beiden über die Geschichte von Zootool, die verwendete Technik und zukünftige Funktionen gesprochen. Und natürlich über den "Delicious-Moment"...
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Das gesamte Interview

Über Basti und Habu

Zootool Geschichte

Die Technik

Der „Delicious-Moment“...

Zootool-Nutzung

Arbeitszeit & Finanzierung

Die kommende Pro-Version

Blick in die Zukunft

Was macht Ihr eigentlich so?

Bastian hat an der HS Mannheim bis November 2009 Kommunikationsdesign studiert und danach selbständig gemacht. Zootool entstand eigentlich aus seiner Bachelor-Arbeit 2007, danach nutzte er die Master-Arbeit, um die zweite Version von Zootool herauszubringen. Seit November 2009 selbständig, außerdem Dozent für Interface-Design an der HS Mannheim. 50% der Freelancer-Tätigkeit fließt in die Entwicklung von Zootool.

Habu: Professor an der HS Mannheim, Leiter des Instituts für interaktive Medien und Leiter des MAD Labs. Hat Basti näher kennengelernt, als er mit einem Kommilitonen die Website der Fakultät neu gestaltet hat. War dann Betreuer der Bachelor- und später Masterarbeit von Basti und gründete mit ihm die Firma rund um Zootool OpenWe GmbH.

Nur im Audioteil: Zootool sollte eigentlich ein ganz anderes Tool werden...

Wie entstand Zootool?

2007 kam die erste Version von Zootool als reines Bookmark-Tool ohne Social-Komponenten. Damals gab es eigentlich schon alle Bookmark-Funktionen, sah nur ganz anders aus (siehe Flickr).

Es gab sogar Funktionen, die es heute nicht mehr gibt, wie zum Beispiel die Timeline, die sich letztlich als unübersichtlich erwiesen hat. Erst mit Version 2 wurden die Ideen zusammengefügt und vereinheitlicht.

Welche Technik nutzt Zootool?

Zootool ist in PHP programmiert mit MySQL als Datenbank und „nem Haufen Memcache“ zum Abfedern der Serverload. Zum Einsatz kommen drei Server, ein Datenbankserver, ein Applicationserver sowie ein „Workerserver“, der für allerlei Aufgaben wie Bilder kleinrechnen zuständig ist.

Der „Delicious-Moment“...

Yahoo hat Mitte Dezember angekündigt, Delicious dicht zu machen. Die Auswirkungen auf Nutzer- und vor allem Bookmarkzahlen von Zootool waren deutlich zu spüren:

  • Bis Januar 2010 lief Zootool relativ „unbemerkt“ mit ca. 4000 Nutzern.
  • Bis zum „Delicious-Moment“ Anstieg auf 30.000 Nutzer mit ca. 650.000 Bookmarks in der Datenbank
  • Innerhalb von 3 Tagen dann auf 35.000 Nutzer gewachsen
  • Durch den Ansturm musste die Anwendung abgeschaltet werden, da vor allem der Import den Service zum Erliegen brachte
  • Nach Bekanntgabe des Delicous-Aus 850.000 neue Bookmarks im Import, aktuell (nach vier Tagen) insgesamt 1,7 Millionen

Die Nutzung von Zootool

In diesem Teil erklären Habu und Basti, warum Zootool mehr ist als ein einfacher Bookmarkdienst und vor allem was Zootool neben reinen Bookmarks noch alles kann und worin seine Stärken liegen. Außerdem gehen die beiden darauf ein, wie und was Zootool bei einzelnen Medientypen generiert und speichert.

In diesem Teil außerdem: Tags und Packs und wie in Zootool die Items strukturiert werden können. Vor allem: Durch die unerwartete „Heavy-Nutzung“ wird es in Zukunft sicher auch eine Ansicht geben, die mehr Items auf einen Blick darstellt und verwaltbar macht.

Wieviel Arbeit steckt in Zootool und wie finanziert es sich?

  • Sicher mehrere tausend Stunden, aber eigentlich kein Überblick
  • Eher Leidenschaft und eben ein Projekt, in das alles an Freizeit gesteckt wird
  • Entwicklung der Engine wurde von einer Stiftung im Rahmen eines Stipendiums getragen
  • Tatsächlich deckt der Banner die reinen Serverkosten
  • Es wird eine Pro-Version geben

Die kommende Pro-Version

In diesem Teil erzählt Basti, was die Pro-Version kosten wird und vor allem was die Vorteile der Pro-Version von Zootool sind:

  • etwa $25/Jahr
  • Import über E-Mail
  • Twitter-Import ähnlich der Facebook-Veröffentlichung mittels Hashtag
  • und einiges mehr...

Habu erwähnt einen interessanten Aspekt bzgl. Pro-Versionen generell. Eigentlich sollten nicht die Power-User löhnen, sondern diejenigen, die es weniger stützen. Unbedingt anhören! Vielleicht kommt hier in Zukunft auch noch ein ganz anderes Bezahl/Mitmachmodell.

Roadmap, API und Zukunft

In diesem Teil frage ich nach einer Roadmap oder ob das Tool eher spontan weiterentwickelt wird.

  • eher grobe Roadmap
  • Pro-Account und iPhone-App sind die nächsten großen Neuerungen
  • Gerade durch die Spontaneität kann auch schneller auf Einflüsse wie den Delicious-Moment reagiert werden
  • API gibt es, zur Zeit noch nicht alles dokumentiert
  • Reeder hat Zootool integriert
  • Windows Mobile 7-App wohl auch in Arbeit
  • Was genau an Funktionen hinzukommt, wird sich zeigen
  • Vor allem die Erkennung des Lassos von Formaten und Inhalten wird sicher weiterentwickelt

Das war`s, vielen Dank an Basti und Habu, dass sie sich die Zeit genommen haben!

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