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Movies: Kritik L.A. Crash

Um es kurz zu machen: Dieser Film ist ein Meisterwerk. Selten solch spannende, packende und zum Nachdenken anregende 113 Minuten gesehen. Dieses Erstlingswerk von Regisseur Paul Haggis packt auch noch Tage später, lässt einen über Vorurteile, Rassendiskriminierung und Fairness der heutigen Gesellschaft nachdenken. In diesem Episodenfilm werden 36 Stunden L.A. aus der Sicht mehrerer Charaktere erzählt, die sich natürlich überschneiden und erst am Schluss zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden. Und dieses große Ganze ist ein mitreißender Einblick in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft genauso wie ein Einblick in die Abgründe eines jeden Selbst. 

36 Stunden in L.A.: Zwei über die ungerechte weil rassistische Behandlung philosophierende Schwarze überfallen den Generalstaatsanwalt von L.A., dieser fürchtet aufgrund der Tatsache eines weiteren "afroamerikanischen" Raubes um die Stimmen der schwarzen Bevölkerung und denkt über ein wohlwollendes Interview mit einem schwarzen heldenhaften Feuerwehrmann nach (der sich allerdings als Iraki entpuppt) während seine Frau ihren Rassenhass offen auslebt und den mit der Auswechslung der Türschlösser beauftragten Puerto Ricaners (den sie nicht nur aufgrund seiner Tätowierungen für einen Ex-Knacki hält) beschuldigt, er würde die Schlüssel gleich weiter an seine Knast-Kumpel verhökern.

Währenddessen belästigt ein weißer Polizist bei einer Verkehrskontrolle die schwarze Gattin eines gerade auf einer Gala ausgezeichneten schwarzen Serien-Regisseurs. Der Partner des Polizisten lässt sich daraufhin versetzen und fährt fortan alleine Streife, auf der er Stunden später wieder dem Regisseur begegnet und ihm vermeintlich das Leben rettet. Das Leben rettet derweil auch ausgerechnet der Belästiger der Belästigten nach einem schweren Autounfall, eine Szene, die sich in audiovisueller Perfektion ins Hirn brennt.

Diese zwei Beispielepisoden sind nur ein kleiner Querschnitt eines vielschichtigen Netzwerks an kleinen Geschichten, die in diesen 36 Stunden mitten in L.A. passieren. Durchgehender roter Faden ist zweifelsfrei der allgegenwärtige Rassenhass, das Misstrauen gegenüber allem Fremden, aber auch dem vermeintlich Bekannten. So scheint ein Vertrauen nie aufbaubar, vielmehr nur eine Verschiebung der immer vorhandenen Vorurteile zu sein, was aber auch ebenso schnell wieder zusammenfallen kann.

Haggis spielt mit diesem Misstrauen, schafft es, seine Protagonisten über diese Eigenschaften sehr schnell zu charakterisieren. Alles andere ist vorerst nebensächlich. Jeder hegt Misstrauen, jeder vorverurteilt in dieser Stadt L.A.,die schon nach dem Anfangsmonolog der klare Verlierer dieses Films zu sein scheint:

It is the sense of touch.
Any real city,
you walk.
You know?
You brush by people,
they bump into you.
In L.A. nobody touches you.
We are always behind this metal and glass.
It is the sense of touch.
I think we miss that touch so much
that we crash into each other
just so we can feel something.

Es muss erst "krachen", damit jemand andere wahr nimmt. Und in diesem Film kracht es 113 Minuten lang.

6 von 6 Armlehnen.

Siehe auch die (überaus gut gelungene) Filmseite.

 

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