Blog von Marc Hinse, Webdesigner und Webentwickler aus Karlsruhe.

made my day.every day.

Niemand scrollt auf Webseiten.

Es hält sich hartnäckig: Inhalte auf Webseiten sollen kurz gehalten werden, damit man nicht so viel scrollen muss. Von Seitenlängen in maximal anderthalbfacher Bildschirmhöhe kriegt man zu hören, der Betreiber der Website soll seine Inhalte dem Medium anpassen (=kürzen), denn die Inhalte unterhalb der Bildschirmhöhe werden sowieso nicht gelesen.

Ist das so?

Anscheinend nicht.

Wir sind hier jetzt genau 3000 Pixel unterhalb des Seitenanfangs, der landläufigen Meinung nach dürfte das hier aber eigentlich keiner lesen.

Was ist passiert?

  • Es wurde Interesse geweckt.
  • Der Nutzer wurde angeregt, die Seite zu erforschen.
  • Irgend etwas hat dem Nutzer verraten, dass es "da unten" noch etwas zu sehen gibt.

Was bedeutet das?

  • Webseiten dürfen so lang sein, wie es interessanter Inhalt hergibt.
  • Sinnvolle Informationsverteilung: Nicht alle vermeintlich super wichtigen Inhalte nach oben packen. Damit disqualifiziert man die sekundären Inhalte aufgrund fehlender Motivation zum Scrollen.
  • Die Webseite muss auch vertikal funktionieren und darf nicht optisch implizieren, dass unterhalb der Bildschirmgrenze nichts mehr kommt. Das heißt zum Beispiel, dass durchgehende horizontale Linien als Gestaltungselement vermieden werden sollten, da diese einen Abschluss der Seite suggerieren können.
  • 97% der Nutzer haben ein Mausrad (eigene Erhebung), auch auf Trackpads der modernen Laptops lässt es sich schneller scrollen als mühsam irgendwelche Paging-Links anzuklicken. Also lieber mal eine lange Seite, als Inhalte auf mehreren Seiten zu verteilen.

Was bedeutet das nicht?

  • Inhaltslose, 600 Pixel hohe Header ohne jegliche Funktion ergeben weder oberhalb noch unterhalb irgendeiner Bildschirmgrenze Sinn.
  • Alle interessanten Inhalte nach unten packen. Denn damit würde wieder der Anreiz fehlen, überhaupt zu scrollen.
  • Es gibt sowieso nicht die Bildschirmgrenze (Stichwort verschiedene Auflösungen auf verschiedenen Endgeräten). Also gestaltet erst gar nicht mit diesen Grenzen im Hinterkopf.
  • Update: Es gibt doch eine Bildschirmgrenze, exakt 18,939583 Kilometer: World's highest Website. Danke, Timo

Ausblick

Durch die Verbreitung von Touch Devices sowie Peripherie wie Trackpads etc. ist das klassische Scrollen, also das Anfassen und Ziehen des Scrollbalkens sowieso bald obsolet. Außerdem setzen immer mehr Web Apps / Websites auf "lazy load", das heißt dem Nachladen von Inhalten nach Bedarf. Bestes Beispiel Twitter und Facebook, oder vermisst hier jemand das Verteilen seiner Timeline auf mehrere Seiten?

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