Blog von Marc Hinse, Webdesigner und Webentwickler aus Karlsruhe.

made my day.every day.

Schade eigentlich.

Dieser Artikel entstand im Sommer 2006. Bis dahin hatte ich Mambo/Joomla genutzt und hatte die Schnauze voll von dem angeblich so tollen "CMS".

Ich habe Mambo (4.5.1.) zum ersten Mal im Oktober 2004 runtergeladen und war nach Installation dieses Systems begeistert. Als eher mit rudimentären HTML- und CSS- (von PHP ganz zu schweigen) Kenntnissen ausgestatteter User, der einfach mal ne Seite machen wollte, war ich überrascht. Die Struktur war zwar nicht unbedingt sofort verstanden (Sektion? Kategorie? Was und wann und warum überhaupt), aber dieses System konnte das leisten was ich erst einmal benötigt habe. Ich konnte über eine Oberfläche Inhalte recht schnell verwalten. Nachdem ich eine Seite erstellt hatte und mit diesem konkreten Projekt prinzipiell alle Standardfunktionen testen konnte, stand als nächstes das Erstellen dieser Seite an. Ich hatte vorher ein auf Wordpress basierendes Blog, das eigentlich für diese Bedürfnisse ausreichte. Allerdings hatte ich ja nun dieses System getestet, also musste ein Blog auf Mambobasis her.

Schon beim Erstellen taten sich einige Schwierigkeiten auf, die aber flugs durch ein bisschen Hackerei im Core bzw. Coremodulen erledigt waren. Daraus erstanden die ersten Tipps auf dieser Seite. Nachdem die Seite wuchs, ein Forum sinnvoll wurde und sich auch meine äußerst beschränkten PHP-Kenntnisse um ein, zwei Befehle anwuchsen, wurden die ersten beiden Module veröffentlicht (Simpleboard und Akocomment latest). Da diese nur simple Datenbankabfragen beinhalteten muss ich mir auch im nachhinein keinen Kopf wegen etwaiger Sicherheitsbedenken machen (sogar bla war drin), aber dazu später mehr. Die ersten Kunden wurden als Nebenjob über Mambojobs aquiriert, für lächerliches Geld wurden erste Projekte realisiert. Der Spaß an diesem System, das Wiederentdecken der alten Liebe "Homepage basteln", die fortschreitende Entwicklung meiner HTML/CSS-Kenntnisse und die Unzufriedenheit im Job ließen mich einen wichtigen Schritt wagen. Den Schritt in die Selbständigkeit, spezialisiert auf Mamboprojekte. Der Gewinn des abstrusen Mambo 4.5.3. Template-Wettbewerbs hat dem ganzen natürlich Vorschub geleistet, keine Frage.

Kunden fragten an, ob dies oder jenes Design realisierbar wäre, meine eigenen teilweise nicht ganz "mambostandardgemäßen" Designs und das wachsende Interesse an sauberem Code ließen mir oft keine andere Wahl als in den schon bald gut bekannten Coredateien rumzusuchen und diese auf meine Bedürfnisse zu ändern. Soweit alles kein Problem, wenn sich diese Vorgehensweise nicht als äußerst kurzsichtig herausgestellt hätte. Denn ich vertraute meine Zukunft Leuten an, die ich nicht kannte und über deren Qualifikation ich mir erst recht kein Urteil bilden konnte - und zwar den Entwicklern des CMS Mambo. Auf dem Mamboday 2005 konnte man zwar einige kennen lernen, allerdings war das zu einem Zeitpunkt, als alle sich im großen Aufbruch befanden, und zwar einem Aufbruch hin zu dem Open Source Content Management System. Dass es letztlich weniger ein Auf- als ein Zusammenbruch wurde, konnte keiner ahnen. Die Wandlung von Mambo zu Joomla hat die Entwicklung natürlich verzögert, letztlich war es ein unfreiwilliges aber dennoch willkommenes Marketing-Instrument für die Bekanntmachung des Systems. Joomla war in aller Munde, selbst heise berichtete. Große Pläne wurden geschmiedet und vielversprechende Roadmaps ausgegeben, die mich voller Überzeugung weiter an diesem System festhalten ließen. Vor allem die Aussicht auf ein Template-System, das mir keine Gestaltungen vorschreibt (seien es Tabellen oder einfache Content-Anordnungen), hielten meinen Optimismus auf steter Flamme. Erste Einführung des pattemplates Systems war für Mambo 4.5.3. geplant. Voraussichtlicher Release: Juni 2005.

Es ist nun Juli 2006. Das Land hat einen Jahrhundertsommer, hatte eine Jahrhundert-WM aber hat immer noch kein Mambo/Joomla, das sich in irgendeiner relevanten Funktion von der Version der im Oktober 2004(!) erstmals runtergeladenen 4.5.1. unterscheidet. Sicherlich ist es etwas bunter und im Backend schneller. Und sicherlich hat sich "unter der Haube" einiges getan. Doch was juckt mich das? Wenn man schon Funktionen neu schreibt, warum dann nicht einmal die größten Fehler bzw. Mankos dieses Systems angehen?

  • Tabellen als Layoutelemente: Immer noch hart gecoded, unumgänglich ohne Core-Hacks (liebe Portalkiddies: ich weiß, Euch juckt das nicht, mich schon)
  • Sektionen/Kategorien: Warum überhaupt? Warum das Festlegen meines Contents auf 3 Ebenen? Was ist, wenn ich zwei will? Ja sicher, eine Sektion, darunter alle Kategorien, aber warum? Was ist, wenn ich 4 Ebenen brauche? Klar, statische Übersichtsseiten etc... Aber nochmal: warum überhaupt? Sicherlich, die Rückwärtskompatibilität soll gewahrt werden. Aber hey, dann müsste auch Matthäus noch spielen. Abgesehen davon bezweifel ich, dass es nicht möglich wäre, einen Layer zu programmieren, der in (eventuell auch nicht perfekter Art und Weise) die alten Tables auslesen kann. Oder eben ein Installationsscript, das mir die alte Content-Tabelle sinnvoll umschreibt. Aber wem sage ich das?
  • Keine Objektorientierung der Contentelemente: Sektionen/Kategorien sind noch enigermaßen hierarchisch aufgebaut (solange ich die Menüstruktur auch so abbilde), aber die statischen Contents schwirren einfach so im Raum, ohne jegliche Zugehörigkeit. Ach so, klar, ich muss die ja erst verlinken (vorher sehe ich sie sowieso nicht) und kann so eine Hierarchie abbilden... Prima Idee auf einer Seite mit >200 Seiten. Denn im Backend sehe ich nur einen Haufen von Dokumenten, wo die hingehören, das weiß nur das Menü.
  • Apropos Menü: Der unsäglichste Versuch, das System individueller zu gestalten war die Einführung der Itemid. Jetzt sind diese oben genannten Dokumente nicht mehr nur umherschwirrend und willenlos per Menü verlinkt, jetzt kann jedes Dokument auch noch 10mal verlinkt werden. Das führt zu 10 unterschiedlichen Links, die alle auf denselben Inhalt verweisen (juhu SEO...). Aber klar, das braucht man ja, um die Module ein-und auszublenden und das richtige Menü-Item zu highlighten. Was aber auch schon wieder nicht funktioniert. Denn habe ich im Topmenü einen Link zur "Startseite", im Hauptmenü auch, dann sind das unterschiedliche Links. Je nachdem wo ich drauf klicke, ist ein anderer Punkt "aktiv". Komisch, oder? Sicherlich, das lässt sich über "Link-URL" umgehen, hilft aber auch nix, denn da wird ja keine Itemid angehängt. Lustiges Core hacken mal wieder. Auch sämtliche Pathway sowie Darstellungsprobleme nach Klick auf "weiterlesen..." in der Blogansicht sind auf die Itemid zurückzuführen.
  • SEO: Keine Corefunktion lässt mich gescheite SEO-Links erstellen. Aber ein Core Developer vertreibt eine kostenpflichtige Komponente, die genau das kann... und was jedes Nachwuchs-CMS bereits an Board hat. Ach lassen wir das.
  • Teufelskreis einfaches System und Scriptkiddies: Natürlich ist es schön, wenn ein Portalsystem (nichts anderes ist Joomla) erfolgreich ist. Natürlich ist es schön, wenn viele Leute ein System nutzen. Natürlich ist es schön, wenn es einen Arsch voll (sorry!) Erweiterungen gibt in Form von Modulen, Komponenten oder Mambots/Plugins. Aber was hilft das, wenn jeder Depp (mich eingeschlossen, s.o.) Erweiterungen schreibt, diese als "total geil" erscheinen, aber letztlich die reinsten Scheunentore sind für Angriffe von außen? Da wird ein ext_calender für Joomla angepasst, aber nicht einmal diese eine essentielle Zeile in die PHP-Dateien eingefügt. Das Mambo/Joomla-eigene Forum (Simple/Joomlaboard) krankt seit 2 Jahren rum und ist aktuell wieder Ziel von Angriffen. Nicht falsch verstehen, ich mache den Entwicklern keinerlei Vorwurf, die machen alles in Ihrer Freizeit (die meisten zumindest). Ich mache auch den Usern keinen Vorwurf, denn woher soll Lieselotte Nimsgern wissen, dass das was sie da runter lädt ihre Website zerstören kann? Kann sie nicht. Peter Gibsihr kann es auch nicht wissen. Allerdings kann eine mit großem Trara gegründete Foundation und ein eigenes Quality Assurance Team doch auch mal bitte schauen was da so auf den offiziellen Joomla.org Seiten zum Download angeboten wird. Zumindest die meist eingesetzten Komponenten wären doch mal einen fachmännischen Blick wert. Jaja, ich weiß schon, die machen ja auch alles in ihrer Freizeit. Leute, aufwachen! Keiner, der sich dermaßen für ein Projekt engagiert, hat nichts von seinem Engagement. Seien es Auftragsarbeiten für das System, Schulungen oder was auch immer. Und das ist ja auch richtig so. Was ich aber nicht verstehe, ist dass genau diese Leute ihr Baby so dermaßen unterentwickelt in der Welt herumwatscheln lassen und damit ihre eigene Zukunft außer acht lassen...

Klar, der MadeMyDay labert wieder klugscheisserisch rum, was macht er denn? Warum engagiert er sich nicht? Einfache Antwort: Weil es keinen Sinn macht diese Strukturen aufzubohren und diese Eitelkeiten zu streicheln um überhaupt mal was zu bewegen. Joomla ist ein Mammut (Kiddies: ausgestorbenes, großes Landsäugetier), jeglicher Versuch - selbst durch Teammitglieder bzw. dem Team nahestehenden Personen - ist kläglich gescheitert aufgrund persönlicher Vorlieben und aus Angst vor Niederlagen in m.E. schwachsinnigen Grabenkämpfen. Dazu kommt die - für mich persönlich entscheidende - Fokussierung der Entwickler auf andere Dinge als sauberen Code. Auf was sie sich fokussieren kann ich allerdings auch nicht beurteilen. Bisher sehe ich nichts. Ach doch: Ein deutsches Backend Ende des Jahres. Glückwunsch.

Panta rhei, alles fließt. Und deshalb ist es auch nicht schwer, zu einem anderen System zu fließen, bei dem man einen positiveren Eindruck hat, bei dem die Entwickler mehr up to date sind was moderne Systemarchitekturen angeht, bei denen das aktuelle Geschehen im Web beobachtet wird und bei Bedarf zeitnah neue, aber auch bewährte Technologien in das System einfließen, ohne dass alles zehnmal angekündigt und dann wieder verschoben wird. Ich wünsche Joomla viel Glück, denn das wird es brauchen. Als Co-Admin auf Joomlaportal werde ich trotzdem weiterhin aktiv sein, sofern es meine Zeit erlaubt. Denn Joomla hat weiterhin eine Zielgruppe, nur diese ist nicht mehr meine bzw. es ist eine andere geworden. Aber meine Erfahrung schmeiße ich nicht einfach weg. Aber gerade Firmen sollten sich doch eher nach Alternativen umschauen, denn was bringt einer Stahlbaufirma eine Hot-Or-Not-Komponente? Oder hat mich als potentieller Kunde jemals das Wetter in Buxtehude interessiert?

So, das musste mal raus. Dies geht auch an Interessenten, die Joomla-Templates bei mir anfragen: Nein, ich entwickle keine Lösungen mehr für Joomla. Auch keine Gamesportal-, Partyseiten- oder Singlebörsentemplates.

Der Blog wird im Übrigen nicht geschlossen, es gibt halt kein Joomlakram mehr. Endlich wieder Filme, Fußball und sonstiges Zeug, das keinen interessiert ;)

MadeMyDay

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