Blog von Marc Hinse, Webdesigner und Webentwickler aus Karlsruhe.

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Was kostet eine Webseite?

In der letzten Zeit häufen sich die Anfragen, in denen um ein Angebot für die Umsetzung einer Website gebeten wird. Das überrascht wenig, schließlich ist das mein Job. Allerdings konnte ich nur bei zwei der letzten dreißig Anfragen ohne weiteres Nachfragen zumindest mal mit einem groben Kostenrahmen antworten. Ich möchte daher einen Leitfaden erstellen, der dabei helfen soll, Anfragen für Website-Projekte vernünftig zu formulieren.

Wer wir sind

Stellen Sie Ihr Unternehmen kurz vor. Neben Branche, (ungefährer) Mitarbeiterzahl und Konkurrenzsituation interessieren mich auch weiche Faktoren. Familienunternehmen, StartUp oder weltweiter Konzern, das ist alles wichtig für eine vernünftige Konzeption. Vor allem ist wichtig zu erfahren, wer Ihre Zielgruppe ist und was diese auf der Website eigentlich erfahren soll. Harte Facts oder emotionale Bindung? Ja, auch diese weicheren Faktoren können eine Kalkulation beeinflussen. Allgemein gilt: Es gibt nicht zu viel Information, es gibt nur zu wenig.

Checkliste für "Wer wir sind"

  • Was machen Sie?
  • In welcher Branche arbeiten Sie/Ihr Unternehmen?
  • Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen?
  • Wer ist Ihre Zielgruppe?
  • Was machen Sie besonders gut?
  • Wer ist Ihre Konkurrenz (URLs)?
  • Wie grenzen Sie sich von dieser ab?

Was bisher geschah

Vermutlich haben Sie bereits eine Website. Vielleicht auch nicht. Ich würde es auf jeden Fall gerne wissen. Falls Sie noch keine haben, können Sie diesen Part auch überspringen. Falls doch, erzählen Sie doch kurz, warum Sie einen Relaunch planen. Vermutlich ist sie alt, hässlich und Sie können selbst nichts daran ändern. Das ist normal, aber erwähnen Sie es. Vielleicht sind Sie aber eigentlich zufrieden, jedoch wird Ihr Unternehmen nicht mehr richtig repräsentiert, da sich Ihre Prioritäten verschoben haben? Dann wäre ein Wort oder zwei dazu schon sehr interessant. Vielleicht wollen Sie Ihre Website auch einfach so, wie sie ist, behalten, aber Ihre Agentur gibt es nicht mehr und/oder Sie kommen mit dem System nicht mehr klar? Kommt vor. Dann beschreiben Sie, wie aus Ihrer Sicht eine Ideallösung aussieht. Und wichtig: Sagen Sie, wo die Webseite bisher gehostet wird. Es kann durchaus sein, dass es damit Probleme geben kann, deren Lösung letztlich zusätzlichen Aufwand bedeuten. Interessant ist auch ein Einblick in die bisherige Statistik. Fragen Sie hierfür am besten Ihre IT.

Checkliste "Was bisher geschah"

  • Haben Sie bereits eine Website (URL)?
  • Wo wird diese gehostet?
  • Liegen Ihre E-Mails auch bei diesem Provider?
  • Wer pflegt aktuell die Inhalte?
  • Können Sie Inhalte selbst pflegen? Falls ja, wer macht das?
  • Wissen Sie welches System verwendet wird?
  • Gibt es eine Zugriffsstatistik?
  • Gründe für einen Relaunch (einfach alt, Neuausrichtung, mobil nicht nutzbar etc.)

Funktionen und Optik

Sie sind wahrscheinlich nicht vom Fach. Ich habe vermutlich auch keine Ahnung von Ihrer Branche. Das ist immer so zu Beginn, das ist kein Problem, wir werden voneinander lernen. In einer ersten Anfrage erwarte ich trotzdem zumindest ein paar - wie auch immer formulierte - Angaben zur gewünschten Funktionalität sowie der optischen Ausrichtung der Website. Es ist heutzutage egal, ob Sie 5, 50 oder 5000 Inhaltsseiten haben werden. Solange diese dieselbe Funktionalität haben, können Sie selbst so viele Seiten anlegen, wie Sie möchten. Es ist aber sehr wichtig zu wissen, ob es weitere Wünsche gibt wie zum Beispiel Bildergalerien, einen Blog mit Kommentarfunktion, einen internen Kundenbereich, Formulare oder ob sonstige Interaktionen stattfinden sollen. Auch ist eine Angabe wie "Anbindung an unser Warenwirtschaftssystem" wenig hilfreich, wenn es erstens nicht benannt wird und zweitens vor allem nicht gesagt wird, was angebunden werden soll.

Die optische Ausrichtung wird zwar erst in der Konzeption festgelegt, trotzdem ist es ungemein hilfreich, wenn Sie Ihre Wünsche darlegen. Keine Angst, es wird nicht kopiert, es wird nur inspiriert. Zeigen Sie einfach ein paar Seiten, die in Ihren Augen irgend etwas gut machen. Ob Navigation, Produktdarstellung oder was auch immer. So kann ich abschätzen, in welche Richtung das Projekt gehen könnte. Oder kann es Ihnen aufgrund der Angaben zur Zielgruppe (s.o.) auch wieder ausreden, denn nicht jede noch so optisch tolle Seite ist für jede Zielgruppe geeignet.

Checkliste "Funktionen und Optik"

  • Welche Bereiche soll Ihre Website beinhalten (Leistungen, Produkte, Mitarbeiter etc.)?
  • Welche Funktionalitäten soll Ihre Website beinhalten (Redaktioneller Inhalt, Blog, Bildergalerie, Formulare etc.)?
  • Welche Interaktionen mit dem Benutzer sollen stattfinden?
  • Gibt es einen geschützten Bereich (intern/extern)?
  • Gibt es Websites, die Ihnen gut gefallen (URLs, auch branchenfremd, warum)?

Mobile

Heutzutage werden Websites auch für die mobile Darstellung auf Smartphones, Tablets und sonstigen vor ein paar Jahren noch nicht existenten Devices (TV, Kühlschränke, Kaffeemaschinen usw.) optimiert. Es gibt nicht (mehr) den einen Bildschirm. Es ist für eine Kalkulation durchaus wichtig zu erfahren, inwieweit Ihre Zielgruppe mobil auf die Website zugreifen wird. Unterschätzen Sie das nicht, der mobile Datenverkehr nimmt rasant zu. Mit dem iPad auf der Couch liegen fällt auch darunter. Das so genannte "Responsive Webdesign" sorgt für eine jeweils angepasste Darstellung, ist aber natürlich auch ein Aufwand, der kalkuliert werden will.

Checkliste "Mobile"

  • Wie schätzen Sie das Nutzerverhalten bzgl. mobiler Nutzung ein (Smartphones, Tablets)?
  • Soll neben der reinen Informationsdarstellung auch der komplette sonstige Funktionsumfang (siehe oben) mobil verfügbar sein?

Das leidige Thema: Geld

Nur ein winziger Bruchteil der Anfragen enthält Angaben zum verfügbaren Budget. Es ist auf den ersten Blick sicher nachvollziehbar, dass Sie die Katze nicht aus dem Sack lassen wollen. Zu groß ist die "Gefahr", dass Sie mehr budgetieren, als es "normalerweise" eigentlich kostet. Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie möchten eine Reise buchen. Seychellen sollen es sein, drei Wochen. Sie haben aber keinerlei Ahnung, was das insgesamt kosten kann. Woher auch? Also gehen Sie in ein Reisebüro und lassen sich beraten. Schon ziemlich zu Beginn wird die Reiseverkehrskauffrau Sie fragen, wieviel Sie ausgeben möchten. Ich glaube kaum, dass Sie dann sagen werden: "Oh, das möchte ich nicht verraten, nicht dass wir zu viel ausgeben". Nein, ich denke, Sie haben sich ein Budget gesetzt, auch wenn Sie nicht genau wissen, was Sie dafür erhalten. Eben genau das ist die Aufgabe des Reisebüros. Man kann sicherlich mit 2.000 Euro drei Wochen auf die Seychellen fliegen und wird dort auch irgendwie untergebracht. Nur werden Sie wohl kein fünf Sterne all-inclusive Angebot erwarten können. Sagen Sie dem freundlichen Mitarbeiter im Reisebüro, Sie wollen nur 500 Euro ausgeben, wird er Ihnen erklären, dass Sie damit erst gar nicht dort hin kommen werden. Haben Sie allerdings realistische Vorstellungen für Ihren Traumurlaub, wird Ihnen der Mitarbeiter helfen, das Beste aus diesem Budget zu machen oder es vielleicht sogar unterschreiten.

Was ich sagen will: Seien Sie realistisch. Es ist nunmal so, dass eine Vielzahl an Anfragen von völlig unrealistischen Beträgen ausgehen. Das will ich vorher wissen. Dann kann ich Ihnen Services nennen, mit denen Sie auch dafür eine Website bekommen. Aber eben dementsprechend weniger erwarten können. Und wenn das Budget zwar realistisch, aber doch sehr knapp bemessen ist, dann können wir darüber reden, was dennoch machbar ist.

Vor allem: "Überraschen Sie mich" ist keine Antwort auf die Frage nach dem Budget. Denn meine Antwort wird sein: "Die Überraschung kommt mit der Rechnung" (die dann eben stundengenau abgerechnet wird).

Nur als Anhaltspunkt: Der durchschnittliche IT-Selbständige verdient 74 Euro in der Stunde. Eine Website ist nie unter 6 Manntagen zu machen (das sind 48 Stunden).

Checkliste "Budget"

  • Wie hoch ist das verfügbare Budget?

Fazit

Es gibt keine Antwort auf die Frage "Was kostet eine Webseite?". Genau wie das Erstellen derselben ist die Angebotserstellung ein Prozess, der sorgfältiger Planung bedarf. Je mehr Informationen Sie geben, desto besser. Und sagen Sie ehrlich, was Sie ausgeben können. Damit sparen Sie sich und mir viel Zeit, denn für 500 Euro kommen Sie nicht auf die Seychellen.

@Kollegen: Anregungen und Ergänzungen gerne.

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