Wir müssen Ihnen leider absagen
Wenn man mal rumfragt, kennt jeder diese Absagen. Ähnlich der Ablehnungen von Bewerbern (für die es sogar Generatoren gibt, wtf?) besteht eine solche Antwort meist aus einem einfachen „Wir müssen Ihnen leider absagen“, gerne noch mit dem Zusatz „wir haben uns für einen anderen Anbieter entschieden“.
Absagen sind okay
Jeder normal denkende Dienstleister weiß, dass er nicht der Mittelpunkt des Universums ist, sondern nur ein Arsch im Raum der Zeit (danke WIZO). Jeder normal denkende Dienstleister weiß außerdem um die „anderen“, die ebenso ein Angebot abgegeben haben. Entweder weil es offen kommuniziert wurde oder weil es einfach normal ist. Ich vergleiche auch Produkte und Preise, kein Problem. Man macht sich dann natürlich so seine Gedanken, warum ein Angebot abgelehnt wurde.
Szenario 0: Keine Chance
Man hatte von vorne herein keine Chance. Vitamin B oder Vetternwirtschaft ließ den Auftrag an einen vorher bestimmten Anbieter gehen. Man hatte nur zusätzliche Angebote einholen "müssen". Siehe Beitrag von Thomas Scholz: Das falsche Gebot.
Szenario 1: Zu teuer
Es wurde der günstigste Anbieter ausgewählt und man war eben nicht der günstigste. Das kann passieren.
Szenario 2: Zu billig
Man war deutlich günstiger als die Konkurrenz, so dass seitens des Kunden befürchtet wird, man wäre nicht "professionell" genug. Das kann passieren.
Szenario 3: Zu inkompetent
Man hat bei einem Gespräch (persönlich oder Telefon) nicht überzeugt. Vielleicht hatte der Kunde den Eindruck, dass man der Aufgabe nicht gewachsen ist oder hat einfach sonstige fachlichen Schwächen gezeigt. Das kann passieren.
Szenario 4: Zu kompetent
Ja, richtig gelesen. Interne, thematisch dem Projekt nahe stehende Mitarbeiter können um ihr Ansehen fürchten, wenn von außen jemand kommt und Expertise mitbringt. Dies kommt zum Beispiel vor, wenn bisher die eigene IT eine Website betreut hat und nun die Beauftragung eines Externen nicht unterstützt. Hier werden die Empfehlungen, die während eines Erstgesprächs ausgesprochen werden, gerne aufgesaugt und später durch einen internen Mitarbeiter oder - siehe Szenario 1 - günstigeren Anbieter umgesetzt. Das kann passieren.
Szenario 5: Zu unsympathisch
Man liegt einfach nicht auf einer Wellenlänge. Es geht um eine Dienstleistungsbeziehung, um Geld. Man sollte menschlich klar kommen und Sympathie ist nicht universell, es gibt immer Leute, die man nicht leiden kann. Das kann passieren.
Liebe Unternehmen....
all dies sind völlig normale Gründe und absolut nachvollziehbar, ehrlich! Das ganz große Problem ist: Wie soll sich ein Dienstleister verbessern, wenn er absolut keine Ahnung hat, was zur Absage geführt hat? Viele von uns sind Einzelkämpfer, die Zeit und Mühe in Angebote, Telefonate, Gespräche oder gar Pitches gesteckt haben. Wir verzweifeln nicht, wenn uns jemand die Gründe für eine Absage mitteilt. Nein, wir wachsen daran!
- Update (Szenario 0): Wenn man vorher keine Chance hatte, fragen Sie uns einfach gar nicht. Wenn man das mit Ihrem Unternehmen machen würde, fänden Sie das auch Scheisse.
- Wir finden es nicht anmaßend, wenn Sie uns als zu teuer bezeichnen. Vielleicht müssen wir unsere Preise überdenken oder einfach besser kommunizieren, was warum wie viel Geld kostet.
- Wir werden nicht größenwahnsinnig, wenn wir zu billig sind. Falls Sie mangelnde Professionalität befürchten, können wir gerne nachbessern und noch einmal auf unsere Referenzen hinweisen.
- Wir springen nicht von der nächsten Brücke wenn uns jemand als inkompetent einstuft, keine Angst. Wären wir inkompetent, hätten Sie uns wohl nicht in Betracht gezogen. Eher stimmt wohl etwas mit der Außendarstellung nicht, aber daran kann man arbeiten.
- Wir rennen auch nicht zur Lokalzeitung, wenn Ihre Entscheidung aus firmenpolitischen Gründen getroffen wurde, weil sich ein Mitarbeiter oder eine Abteilung durch einen qualifizierten externen Dienstleister bedroht fühlt.
- Wir hocken uns nicht in den Keller und heulen drei Wochen lang, wenn uns jemand mitteilt, das „es einfach menschlich nicht passt“. Oder wenn Sie sich eine Zusammenarbeit mit einem langhaarigen Nerd einfach nicht vorstellen können. Das ist einfach nur menschlich.
Wir wollen es einfach wissen!
Es reicht völlig, einen erklärenden Satz zur üblichen Absage-Floskel hinzuzufügen. Mehr nicht. Ganz einfach. Damit tun Sie uns einen Gefallen und werten die geleistete Vorarbeit wenigstens ein bisschen auf.
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Wir haben uns für das Angebot des Nachbars der Schwägerin unserer Sekretärin entschieden und müssen Ihnen leider absagen.“
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Wir haben uns für ein günstigeres Angebot entschieden und müssen Ihnen leider absagen.“
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Aufgrund Ihrer Preisgestaltung befürchten wir, dass Sie unserem Anspruch nicht gewachsen sind.“
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Leider denken wir, dass Sie fachlich dem Projekt nicht gewachsen sind und müssen Ihnen leider absagen.“
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Ihre Ideen und Ansätze haben uns gut gefallen. Allerdings befürchten wir Konflikte mit unseren eigenen xxx-Abeilung, so dass wir uns für eine rein ausführende Agentur entschieden haben.“
- „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Leider denken wir, dass wir nicht auf einer Wellenlänge liegen und fühlen uns bei einem anderen Anbieter wohler.“