Blog von Marc Hinse, Webdesigner und Webentwickler aus Karlsruhe.

made my day.every day.

Wir müssen Ihnen leider absagen

Es ist üblich, dass Firmen bei der Auswahl ihres Dienstleisters mehrere Agenturen oder Selbständige anfragen, um ihnen ein Angebot zu unterbreiten. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei x anbietenden Dienstleistern x-1 Angebote abgelehnt werden. Doch ist die Art und Weise der Absage - falls sich überhaupt die Mühe gemacht wird - oft wenig aussagekräftig.

Wenn man mal rumfragt, kennt jeder diese Absagen. Ähnlich der Ablehnungen von Bewerbern (für die es sogar Generatoren gibt, wtf?) besteht eine solche Antwort meist aus einem einfachen „Wir müssen Ihnen leider absagen“, gerne noch mit dem Zusatz „wir haben uns für einen anderen Anbieter entschieden“.

Absagen sind okay

Jeder normal denkende Dienstleister weiß, dass er nicht der Mittelpunkt des Universums ist, sondern nur ein Arsch im Raum der Zeit (danke WIZO). Jeder normal denkende Dienstleister weiß außerdem um die „anderen“, die ebenso ein Angebot abgegeben haben. Entweder weil es offen kommuniziert wurde oder weil es einfach normal ist. Ich vergleiche auch Produkte und Preise, kein Problem. Man macht sich dann natürlich so seine Gedanken, warum ein Angebot abgelehnt wurde.

Szenario 0: Keine Chance

Man hatte von vorne herein keine Chance. Vitamin B oder Vetternwirtschaft ließ den Auftrag an einen vorher bestimmten Anbieter gehen. Man hatte nur zusätzliche Angebote einholen "müssen". Siehe Beitrag von Thomas Scholz: Das falsche Gebot.

Szenario 1: Zu teuer

Es wurde der günstigste Anbieter ausgewählt und man war eben nicht der günstigste. Das kann passieren.

Szenario 2: Zu billig

Man war deutlich günstiger als die Konkurrenz, so dass seitens des Kunden befürchtet wird, man wäre nicht "professionell" genug. Das kann passieren.

Szenario 3: Zu inkompetent

Man hat bei einem Gespräch (persönlich oder Telefon) nicht überzeugt. Vielleicht hatte der Kunde den Eindruck, dass man der Aufgabe nicht gewachsen ist oder hat einfach sonstige fachlichen Schwächen gezeigt. Das kann passieren.

Szenario 4: Zu kompetent

Ja, richtig gelesen. Interne, thematisch dem Projekt nahe stehende Mitarbeiter können um ihr Ansehen fürchten, wenn von außen jemand kommt und Expertise mitbringt. Dies kommt zum Beispiel vor, wenn bisher die eigene IT eine Website betreut hat und nun die Beauftragung eines Externen nicht unterstützt. Hier werden die Empfehlungen, die während eines Erstgesprächs ausgesprochen werden, gerne aufgesaugt und später durch einen internen Mitarbeiter oder - siehe Szenario 1 - günstigeren Anbieter umgesetzt. Das kann passieren.

Szenario 5: Zu unsympathisch

Man liegt einfach nicht auf einer Wellenlänge. Es geht um eine Dienstleistungsbeziehung, um Geld. Man sollte menschlich klar kommen und Sympathie ist nicht universell, es gibt immer Leute, die man nicht leiden kann. Das kann passieren.

Liebe Unternehmen....

all dies sind völlig normale Gründe und absolut nachvollziehbar, ehrlich! Das ganz große Problem ist: Wie soll sich ein Dienstleister verbessern, wenn er absolut keine Ahnung hat, was zur Absage geführt hat? Viele von uns sind Einzelkämpfer, die Zeit und Mühe in Angebote, Telefonate, Gespräche oder gar Pitches gesteckt haben. Wir verzweifeln nicht, wenn uns jemand die Gründe für eine Absage mitteilt. Nein, wir wachsen daran!

  • Update (Szenario 0): Wenn man vorher keine Chance hatte, fragen Sie uns einfach gar nicht. Wenn man das mit Ihrem Unternehmen machen würde, fänden Sie das auch Scheisse.
  • Wir finden es nicht anmaßend, wenn Sie uns als zu teuer bezeichnen. Vielleicht müssen wir unsere Preise überdenken oder einfach besser kommunizieren, was warum wie viel Geld kostet.
  • Wir werden nicht größenwahnsinnig, wenn wir zu billig sind. Falls Sie mangelnde Professionalität befürchten, können wir gerne nachbessern und noch einmal auf unsere Referenzen hinweisen.
  • Wir springen nicht von der nächsten Brücke wenn uns jemand als inkompetent einstuft, keine Angst. Wären wir inkompetent, hätten Sie uns wohl nicht in Betracht gezogen. Eher stimmt wohl etwas mit der Außendarstellung nicht, aber daran kann man arbeiten.
  • Wir rennen auch nicht zur Lokalzeitung, wenn Ihre Entscheidung aus firmenpolitischen Gründen getroffen wurde, weil sich ein Mitarbeiter oder eine Abteilung durch einen qualifizierten externen Dienstleister bedroht fühlt.
  • Wir hocken uns nicht in den Keller und heulen drei Wochen lang, wenn uns jemand mitteilt, das „es einfach menschlich nicht passt“. Oder wenn Sie sich eine Zusammenarbeit mit einem langhaarigen Nerd einfach nicht vorstellen können. Das ist einfach nur menschlich.

Wir wollen es einfach wissen!

Es reicht völlig, einen erklärenden Satz zur üblichen Absage-Floskel hinzuzufügen. Mehr nicht. Ganz einfach. Damit tun Sie uns einen Gefallen und werten die geleistete Vorarbeit wenigstens ein bisschen auf.

  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Wir haben uns für das Angebot des Nachbars der Schwägerin unserer Sekretärin entschieden und müssen Ihnen leider absagen.“
  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Wir haben uns für ein günstigeres Angebot entschieden und müssen Ihnen leider absagen.“
  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Aufgrund Ihrer Preisgestaltung befürchten wir, dass Sie unserem Anspruch nicht gewachsen sind.“
  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Leider denken wir, dass Sie fachlich dem Projekt nicht gewachsen sind und müssen Ihnen leider absagen.“
  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Ihre Ideen und Ansätze haben uns gut gefallen. Allerdings befürchten wir Konflikte mit unseren eigenen xxx-Abeilung, so dass wir uns für eine rein ausführende Agentur entschieden haben.“
  • „...vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Angebot. Leider denken wir, dass wir nicht auf einer Wellenlänge liegen und fühlen uns bei einem anderen Anbieter wohler.“

Ist doch nicht so schwer, oder?

Nachtrag

Eben erreicht mich eine Absage, über die ich mich sehr gefreut habe. Nicht, weil das Projekt nicht (mit mir) zustande kommt, was schade ist. Nein, weil diese Absage alles beinhaltet, was dazu gehört.

Lieber Herr Hinse,

nachdem sich die Geschäftsleitung während der letzten Tage intensiv mit dem Projekt befasst hat, ist nun eine Entscheidung gefallen. Nach einer sehr langen Diskussion haben sich die Geschäftsführer dazu entschieden, das Angebot des Mitbewerbers anzunehmen. Dies hatte mehrere Gründe:

Ihr Angebot hatte der Geschäftsleitung sehr gut gefallen – Ihre Kompetenz und Ihre Expertise kamen wirklich sehr gut an und hatten alle überzeugt. Jedoch waren sich die Geschäftsführer letztendlich einig darin, dass der geringe Projektrahmen dieser Microsite einen zu hohen Arbeitsaufwand nicht rechtfertigt, deswegen konnte sich das andere Angebot, was weniger umfangreich war als Ihr Vorschlag, letztlich durchsetzen. Ich möchte hier noch mal betonen, dass das keine reine Preisentscheidung war, sondern dass man sich durchaus bewusst war, wodurch diese Preisdifferenz zustande kam (Fachkompetenz, umfangreiches Angebot, umfangreiche Betreuung des Projekts) und der Preis daher nicht in erster Linie maßgebend für die Entscheidung war. Zudem hat die andere Firma bereits vor einigen Monaten einen Auftrag für unsere Schwesterfirma xxxx ausgeführt. Mit dem Ergebnis war die Geschäftsleitung sehr zufrieden, so dass diese Firma als potenzieller Kandidat für diesen Auftrag in den Angebotsprozess aufgenommen und als akzeptable Alternative ausgewählt wurde.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals persönlich ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Mühen bedanken! Ihre Beratung war stets umfassend und sehr fundiert. Die gesamte Kommunikation lief immer reibungslos. Ich habe Sie als einen sehr kompetenten und darüber hinaus auch sehr freundlichen Ansprechpartner erlebt und dies auch an die Geschäftsleitung weiter kommuniziert. Deswegen werden Sie in unsere interne Dienstleister-Liste eingetragen, so dass Sie in Zukunft bei allen ähnlichen Projekten als potenzieller Partner angesprochen werden. Für die Zukunft sind bei xxxxx weitere Website-Projekte geplant, welche diesmal technisch anspruchsvolle Microsites umfassen sollen. Sobald diese Projekte starten, wird man definitiv wieder auf Sie zukommen –die Geschäftsleitung war sich an dieser Stelle einig, dass ein Angebot von Ihnen für technisch aufwändige Projekte besser geeignet sei und würde Sie sehr gerne zu diesen Projekten wieder mit einer Angebotserstellung beauftragen.

Ich persönlich finde es schade, dass wir dieses Projekt nicht weiter gemeinsam bearbeiten können und hoffe, dass ich im Zuge der nächsten Website Projekte wieder mit Ihnen in Kontakt treten werde.

Viele Grüße

Liebe Unternehmen, so sehen Absagen aus!

Nach oben